Aber wir lernen doch!
Freie Sudbury-Schule in Bayern geschlossen

In der Zeit vom 16. März 2017, S. 71 kann man es nachlesen:
Die Behörde lässt sich nicht überzeugen: „Es sei nicht gewährleistet, ‚dass die grundlegenden Kompetenzerwartungen erreicht werden‘.“

Die ‚Behörde‘ war von Anfang an skeptisch. „Die Bezirksregierung verlang(e) Meßbarkeit ausgerechnet von einer Schule, die sich jeder Bewertung entzieht.“ nach langem Hin und Her erfolgt dann doch eine Genehmigung – als Ersatzschule, nur für 2 Jahre. Auflage: „Halbjährlich sollen Lerninhalte und -fortschritte geprüft werden, damit die Schule ‚in ihren Lehrzielen hinter den öffentlichen Schulen nicht zurücksteht.'“

Nun ist ja bekannt, dass in Bayern die Uhren anders gehen. Aber schreiben wir nicht inzwischen das Jahr 2017? Gab es da nicht eine Schule – in Deutschland gegründet, in Dresden, in Hellerau – in der bis auf den heutigen Tag die SchülerInnen n i c h t zum Unterricht gehen müssen, wenn sie nicht wollen? Und trotzdem liegen die Abschlüsse an dieser Schule – Summerhill – leicht über dem Durchschnitt der SchülerInnen in England. Gibt es nicht auch in Deutschland Schulen, die konsequent vermeiden, den Schülern Lernen abzuverlangen, die auf Leistungsvergleiche verzichten, und an denen die SchülerInnen trotzdem – oder gerade deshalb! – mehr lernen als ihre AltersgenossInnen? Sogar in Bayern?

Gibt es nicht z.B. die Glocksee-Schule in Hannover – bis zur Klasse 10, die genau nach diesem Prinzip verfährt? Gibt es nicht Schülerinitiativen, die selbst LehrerInnen anstellen und sich ohne ‚gymnasiale Oberstufe‘ erfolgreich auf das Abitur vorbereiten: ‚Methodos‘ in Freiburg und in Berlin die ‚Berlin Rebel High School‘?

Na gut – in Bayern am Ammersee haben die SchülerInnen Klage eingereicht. Der Gerichtstermin steht noch aus – berichtet die Zeit. Das scheint der ’normale‘ Weg zu sein. Vor allem dann, wenn es um eine d e m o k a t i s c h e Schule geht.

Warum das wohl ein Reizwort für die Behörden zu sein scheint?

Abitur ohne Schulbesuch

Unter der URL:   Abitur nachholen – hier wird schon von vornherein klargemacht, dass man etwas versäumt hat – findet sich eine gute Zusammenstellung von Informationen für die Situation, wenn Menschen ein Abitur ablegen wollen, ohne eine ‚gymnasiale Oberstufe‘ zu besuchen. Gründe gibt es dafür genug. Die Überschrift und Text sind jedoch neutral(er) gefasst. Auf Methodos oder die Berlin Rebel High School (SFE = Schule für Erwachsenenbildung) gibt es jedoch keinen Hinweis.Bei Wikipedia gibt es ebenfalls eine ausführliche Übersicht.

In der Zeit-Online und in Spiegel-Online gibt es je einen Artikel aus dem Gründerjahr 2007 von Methodos:

Weitere Informationen hier im Blog über die Suche – Stichwort: Methodos und Berlin Rebel High School

Berlin Rebel High School – Kinotermine

Hier finden sich Termine:

Bundesweiter Kinostart 11.5.2017

Hier ein Link – leider nur für GEW-Mitglieder Köln und Essen

GEW

Der Filmverleih wird auch von der Bundesregierung gefördert:

Kulturstaatsministerin Monika Grütters vergibt Förderungen für den Filmverleih

PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG
Mittwoch, 22. März 2017
Pressemitteilung:
97
Ausgabejahr:
2017
Kulturstaatsministerin Monika Grütters vergibt Förderungen für den Filmverleih
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsministerin Monika Grütters, fördert sieben Vorhaben für den Verleih von programmfüllenden, künstlerisch anspruchsvollen Filmen.
Gefördert werden folgende Verleih-Projekte:
„BERLIN REBEL HIGH SCHOOL“ – (Regie: Alexander Kleider)
mit 15.000 Euro
(Neue Visionen Filmverleih GmbH, Berlin)

Aufführungen in Berlin

Schauburg Karlsruhe voraussichtlich 11.5.

Schauburg.de – Erstaufführungen

Saarbrücken: Camera2.de

SFE – berlin rebel high school

Die gute alte Tante GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) hat zwar nie über ‚Methodos‘ berichtet, aber jetzt tut sie es immerhin über die SFE (Schule für Erwachsenenbildung) in Berlin:

Eine Schule – das ist schon falsch gesagt – eine Einrichtung für Menschen ab 18, die die Schule nicht – aber nun wirklich gar nicht mehr – sehen wollen. Lernen wollen sie aber schon!

Wikipedia schreibt:

  • Berlin Rebel High School ist ein Dokumentarfilm von Alexander Kleider über die Schule für Erwachsenenbildung in Berlin. Der Film feierte am 16. Oktober 2016 im Rahmen des Austin Film Festivals Premiere. Am 11. Mai 2017 soll der Film in ausgewählte deutsche Kinos kommen.

    Der Filmemacher Alexander Kleider begleitet in seinem Dokumentarfilm die Schüler einer Klasse der Schule für Erwachsenenbildung in Berlin (SFE), die sich auf dem Weg zu ihrem Abitur befinden, und stellt dabei das Konzept der Schule vor, denn diese ist anders als andere Schulen. Die SFE wurde 1973 als basisdemokratisches Projekt gegründet, und es gibt dort keinen Direktor und keine Noten. Die Lehrer und Angestellten werden von den Schülern selbst bezahlt, und alle zwei Wochen wird über alle Entscheidungen abgestimmt. Unter den Schülern befinden sich auch Alex, Lena und Hanil. Alex ist Anfang zwanzig und war bereits an über zehn Schulen, doch an keiner hat er es lange ausgehalten, weil er mit Regeln und dem schulischen Druck nicht klarkam. Auch Lena hat sich in der Schule und in der ländlichen Umgebung, in der sie aufwuchs, nie wirklich frei gefühlt. Hanil aus Aachen hat in der Schule bislang keinen wirklichen Sinn gesehen. Kleider lässt zudem einige Lehrer zu Wort kommen, die einfach Spaß an der Vermittlung von Wissen haben und dies ganz ohne Druck tun möchten.

Der Film ist von der deutschen Film und Medienbewertung mit dem Prädikat: besonders wertvoll ausgezeichnet worden. Hier kann man die Begründung der Jury nachlesen.

Wer bei Facebook nachlesen will kann hier klicken.

Es sind leider nur wenige Videos (5) – aber besser als gar keine!

Playlist zur Berlin Rebel High School

Eine ähnliche ‚Schule‘ ist METHODOS in Freiburg. Auch hier hatten Schüler genug von Schule, wollten aber trotzdem nicht auf das Abitur verzichten. So haben sie sich als ‚Externe‘ auf den Weg gemacht, Lehrer eingestellt und sich ohne Schule auf diese Prüfung vorbereitet.

Im Archiv dieses Blogs finden sich 2013 mehrere Beiträge:

Es gab auch Videos, die stehen aber leider nicht mehr zur Verfügung.

Stichtag im WDR

17.10.2013

„Haben Schüler der britischen Summerhill School früher nach ihrem Schulleiter gesucht, fanden sie ihn oft im Garten, beim Unkrautjäten. Mit Summerhill gründete Alexander S. Neill eine der ersten demokratischen Schulen der Welt. Doch viele seiner Schüler haben den revolutionären Lehrer anfangs für den Gärtner gehalten. Neill drängte sich nie in den Vordergrund, formale Autoritäten waren ihm suspekt. „Keiner ist gut genug, einem Kind zu sagen, wie es leben soll. Die Hauptsache ist, dass für uns Spielen und Gefühle an erster Stelle stehen und die Freiheit“, erklärt Alexander S. Neill. An der Summerhill School lernen bis heute rund 90 Kinder und Jugendliche.“

130 Jahre – Geburtstag des Reformpädagogen Alexander S. Neill

5/2012 Süddeutsche Zeitung Magazin

Sagt ausgerechnet Zoë Readhead, die Leiterin der berühmtesten alternativen Schule der Welt. Falsche Regeln und wichtige Brüche: ein Gespräch in Summerhill, neunzig Jahre nach der Gründung.

Heute haben Kinder zu viel Macht

Ein Interview mit Zoë Readhead, der Tochter von A.S. Neill.

Deutschlandradio Kultur 26.9.2016

Eine Antiautoritäre Bildungsgeschichte

Abitur in Kochen, Fußball und Tischtennis

Von Knut Benzner

Im Deutschlandradio Kultur vom 26.9.2016 ist diese antiautoritäre Bildungsgeschichte nachzulesen und zu hören.

Abitur in Kochen, Fußball und Tischtennis

Weitere Beiträge zum nachlesen:

14.1.2015 Deutschlandradio Kultur

Warum Lehrer keine Noten geben sollten

26.10.2016 Deutschlandradio Kultur

Ohne Frontalunterricht, bitte!

17.10.2008 Deutschlandradio Kultur

Angst in der Schule abschaffen

14. 10. 2005

Horrorklassiker für Kinder

FAZ: Inklusion hat mich gerettet

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist ein interessanter Artikel erschienen:

    Die Debatte um die Inklusion läuft immer wieder auf das gleiche Argument hinaus: Eine Schule, die lern- oder sonstig behinderte Kinder zusammen mit den sogenannten normalen unterrichte, betreibe gefährliche Gleichmacherei. Denkt man darüber bloß ein paar Sekündchen nach, offenbart sich, dass das kompletter Unsinn ist. Niemand behauptet, dass alle Schüler gleich seien. Selbst in Regelschulklassen sind alle Schüler unterschiedlich. Und viele Schulen tun sich schon bei „normalen“ Schülern schwer damit, niemanden hinten runterfallen zu lassen. Woraus besorgte Eltern aber den Schluss ziehen: Da ist nun wirklich kein Platz und keine Zeit für die blöden Kinder, die meinen Kindern das Lernen erschweren.

Eine ‚Asperger-Autistin‘ hat !ohne! Diagnose an einer ganz normalen Schule ihr Abitur gemacht und anschließend ihr Studium absolviert.

    Meine Noten waren grauenhaft, man legte mir nahe, es doch auf einer Realschule zu probieren. Dank des sozialen Fokus meiner neuen Schule verließ ich nie den Gymnasialzweig, machte mein Abitur, schloss ein Studium ab und bin derzeit dabei, neben meiner journalistischen Arbeit eine eigene Firma zu gründen. Tatsächlich war es so, dass in meinem Jahrgang an meiner Schule niemand durch das Abitur fiel. Anders als an meiner alten Schule. Und das, wie bereits erwähnt, trotz des Zentralabiturs.

An ihrer Schule war es normal, selbstverständlich, ganz natürlich, dass Schüler „dramatisch schlechte Noten“ in einem Teil der Fächer haben und dafür in anderen Fächern „viel weiter“ sind – wenn es eben nicht die normale ‚Ausleseschule‘ ist. Dort ist genau das das ‚KO-Kriterium‘. Die Besten schaffen es schon, die beißen sich durch – die anderen können halt nicht dabei sein. Das ist wie im wirklichen Leben.

Und es fehlen leider in den Leserzuschriften nicht die Meinungen, dass es eben doch verschiedene Behinderte gebe, solche, die introvertiert sind und die anderen nicht am Lernen hindern und solche, die die Klasse aufmischen. Sie denken wahrscheinlich nicht darüber nach, dass die Bedingungen der Selektion vielleicht erst die Voraussetzungen dafür schaffen, die Klasse aufmischen zu wollen und das Inklusion nur dann etwas taugt, wenn sie tatsächlich für alle gilt.

Aber lesen Sie den Artikel – und vielleicht auch die Kommentare – selbst:

„Inklusion hat mich gerettet“ FAZ 24. 8. 2014 von Denise Linke