Schule in der Kritik

Schulkritik gibt es schon lange. Eine der bekanntesten Kritikphasen war die Reformpädagogik. Ziel war die Obrigkeitsschule des Kaiserreiches. Motto: Das Kind in den Mittelpunkt stellen.

Verbunden ist diese Zeit mit bekannten Namen: Maria Montessori: Hilf mir es selbst zu tun, Rudolf Steiner und Waldorf, Célistin Freinet: Den Kindern das Wort geben und vielen weiteren Menschen. Dann kam der Nationalsozialismus, u.a. mit der Gleichschaltung der Schulen. Die Individuatität der Reformpädagogik wurde rigoros unterdrückt. Mit der Schule im Nationalsozialismus hielt such die Schulpflicht in Deutschland Einzug, 1938. Die hat sich hierzulande bis heute erhalten und dauert bis zum 18. Lebensjahr – in der Berufsschule sogar noch bis zum Ende der Berufsschulzeit.

Bis in die 1973 – in Bayern sogar bis 1980 – dauerte es, bis körperliche Strafen in der Schule verboten wurden. In Finnland waren sie schon am 1914, in der DDR schon ab 1949, SchülerInnen an Privatschulen mussten noch bis 1990 warten. Seit 1989 gilt das Verbot der körperlichen Strafen auch im Elterlichen Bereich, doch Ohrfeigen oder Schläge auf den Po werden immer noch toleriert, sie müssen jedoch maßvoll und angemessen sein – was immer das auch heißt.

In der Schule haben sich körperliche Strafen seither auf psychische Übergriffe verlagert. Gemeint sind Beleidigungen, Drohungen, Einschüchterung, Erpressung oder Lächerlich machen. Nicht nur von Lehrern gegenüber SchülerInnen, auch von SchülerInnen untereinander. Vollkommen aus dem Blick ist die strukturelle Gewalt an Schulen. Damit ist die Einzwängung der SchülerInnen durch die Schulpflicht, die Unfreiheit das dann zu lernen, wann man möchte und auch bereit dazu ist, das Diktat des Stundenplan und durch das Stundenraster. Die Einengung der körperlichen und geistigen Bewegungsfreiheit der SchülerInnen: das Stillsitzen, die Einschränkung der Bewegung, des Redebedürfnisses, des Austausches mit anderen SchülerInnen selbst zu unterrichtlichen Themen ist nur erlaubt, wenn die LehrerIn das eingeplant hat.

„Viele der gesundheitlichen Störungen von Schülern, vor allem solche psychischer oder psychosomatischer Art, hängen eng mit dem System Schule zusammen“, sagt der Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann. Auf eine griffige Formel gebracht: Schule macht krank.

Noch schärferes Geschütz fahren z.B. der Gehirnforscher Gerald Hüther, oder der Philosoph Richard David Precht auf: Schule – so wie sie ist – erzieht zu Unselbstständigkeit, zur Anpassung. Eigeninitiative von Schülern ist nur im Sinne des Unterrichts erwünscht. Gerald Hüther macht deutlich, daß er nicht die Schule revolutionieren will. Er habe versucht aus dem Blickwinkel der Gehirnwissenschaft zu verstehen, was in Schule geschieht und anderen Menschen verständlich zu machen, wie sich das Auswirkt. „Ein normaler Alltag eines Schülers sieht so aus, dass er fünf oder sechs verschiedene Fächer an einem Tag hat und in den meisten dieser Fächer auch noch regelmäßig geprüft wird. … Das würde kein Erwachsener mit sich machen lassen.“ (R.D. Precht)

Auf youtube haben sich im Laufe der Zeit viele Videos angesammelt, die diese Kritik am Schulsystem aus ganz verschiedenen Blickwinkeln beleuchten: SchülerInnen, die noch in der Schule sind, Influencer, die SchülerInnen und Wissenschaftler interviewen, Berichte, die belegen, dass es auch ganz ohne Schule geht (Homeschooler, Freilerner), ein inzwischen erwachsener Mann, der mit 16 die Schule (Summerhill) verlassen hat, und kaum lesen und Schreiben konnte – es hatte ihn nicht interessiert, Wissenschaftler und Eltern nehmen sich das Wort. Eine grobe Übersicht mit den Videos verlinkt lädt zum stöbern ein.

https://offener-unterricht.net/ou/start-offu.php?action=schulkritik

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